Hemingways Villa auf Key West, eine Missionsstation am Malawi-See, geheimnisvolle Botschaften auf Sansibar und ein nächtliches Schattenspiel in Malaysia, … Getrieben auf der heimlichen Suche nach Nähe und so etwas wie Heimat, begegnet ein namenloser Ich-Erzähler auf seinen Reisen rund um die Welt Menschen und Situationen, die einzuordnen ihm schwerfallen: „Ich wurde die Bilder in meinem Kopf nicht mehr los.“ In poetischer Sprache und seiner ironisch-entlarvenden Sichtweise ist die Sammlung von Erzählungen Licht zwischen Schatten, Peter Schnaubelts überarbeitete Neufassung seines Erstlings aus dem Jahr 1992, eine faszinierende Wiederentdeckung.
"Er war dieser große, sehninge, natürlich blonde und irgendwie gefährlich aussehende Deutsche, und ich beobachtete ihn schon seit geraumer Zeit ..." Im Garten neben Hemingways ehemaliger Villa auf Key West spielen sich nächtens verstörende Dinge ab. Sie einzuordnen fällt dem namenlosen Ich-Erzähler schwer: Was ist tatsächlich real, was existiert nur in seiner Vorstellung? Mit diesem Berichterstatter, dem nie ganz zu trauen ist, begeben wir uns auf eine Reise rund um die Welt: vom French Quarter in New Orleans und den Hochhausschluchten von Chicago auf die voodoogläubige Inselwelt von Florida, von englischen sturmumtosten Hochebenen, wo drei seltsame Schwestern ein Bed&Breakfast betreiben, nach Korfu, wo die Mär vom Bösen Blick umgeht, von einer afrikanischen Farm und einer Missionsstation am Malawi-See bis zu einer Lodge in den Weiten des Okavango-Deltas und einer geheimnisvollen Botschaft auf Sansibar, schließlich vom Regenwald und den staubigen Ebenen Madagaskars bis nach Malaysia, wo ein alter Dalang die Welt als Schattenspiel darstellt. Die Lebenswirklichkeit des Erzählers sieht sich dabei immer wieder von Bildern aus Filmen oder der Literatur überlagert. "Es war schwierig, den altbekannten Zeichen zu entkommen. Die Klischees drohten mich zu überrollen; kaum schaffte ich es mehr, das Unbekannte herauszufinden", heißt es an einer Stelle über die Schwierigkeit, all diese Eindrücke und Begegnungen einzuordnen, und an einer anderen: "Die Bilder in meinem Kopf ließen mich nicht mehr los." Der Erzähler ist Beobachter, doch einer mit dem Sehnen nach menschlicher Nähe im Herzen und auf der Suche nach so etwas wie einer Familie und Heimat, und Vater eines Sohnes zu sein, erschiene ihm als höchstes Glück ... Die dreizehn Erzählungen in Peter Schnaubelts Sammlung Licht zwischen Schatten verzaubern mit ihrer poesievoll-geschliffenen Sprache und sind gekennzeichnet durch eine ironische Sicht auf die Menschen und die Welt - und auf Verhältnisse, die der Autor zum Teil mit feinen Spitzen, zum anderen Teil mit beißendem Humor bloßlegt.
Peter Schnaubelt erzählt vom Erscheinen des ursprünglichen Buches im Jahr 1992:
Bei dem Erzählband Licht zwischen Schatten handelt es sich um eine Neuflage meiner ersten Publikation aus dem Jahr 1992 (Cover siehe links). In der Folge erhielt ich damals gleich mehrere Auszeichnungen: den Anerkennungspreis für Literatur des Landes NÖ, den Walther-von-der-Vogelweide-Preis des Kulturforums Melk (den es meiner Recherche nach heute nicht mehr gibt) sowie zwei Stipendien des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, jenes für Literatur und jenes für Kinder- und Jugendliteratur (beide für das Manuskript zum Roman Die Farbe des Sommers, den ich jüngst unter dem Titel Ein Sommer neu herausgebracht habe). Schon ein Jahr zuvor, 1991, erschien die Erzählung "Southernmost" in der Anthologie Keine Aussicht auf Landschaft. Ich kann mich heute nicht mehr daran erinnern, wie der Kontakt zum Verlag Literaturedition NÖ damals überhaupt zustande kam. Der Herausgeber Dr. Gerhard Winkler war von meinen Erzählungen aber so angetan, dass er im darauffolgenden Jahr Licht zwischen Schatten veröffentlichte. Illustriert wurden die darin enthaltenen zwölf Geschichten durch stimmungsvolle Grafiken des Raabser Künstlers Franz Part, den ich erst Jahrzehnte später persönlich kennenlernte und mit dem ich heute freundschaftlich verbunden bin. Doch leider funktionierten weder Winklers Lektorat noch der Satz durch die Druckerei Berger in Horn auf zufriedenstellende Weise. Das Buch, das ich schließlich in Händen hielt, entpuppte sich für mich geradezu als Katastrophe: ein hässliches Buch, dessen winzige und viel zu dunkel gedruckte Buchstaben und der zu enge Satz mehr abschreckten als zum Lesen einluden. Es gab eine schöne Präsentation im Kunsthaus Horn mit der Lesung durch einen jungen Schauspieler, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß, und ein Interview auf Radio NÖ sowie die Lesung von "Southernmost" als Radiogeschichte, das war es dann aber auch schon. Die Geschichten aus dem Buch anzuhören, erwies sich definitiv besser, als es tatsächlich vor Augen zu haben.
Als ich im Vorjahr nach langer Zeit wieder einmal in das Buch hineinlas, bedeutete dies für mich selbst eine Art der Wiederentdeckung. Ich hatte nicht gedacht, dass sich die Texte immer noch stimmig lesen würden und die Ironie nachvollziehbar wäre, kurz und gut, sich das Buch für eine Neuauflage geradezu anbieten würde. Wobei sich die Überarbeitung als wesentlich anspruchsvoller gestaltete als gedacht. Zum einen gab es keine digitale Fassung des Textes, es existierte nur ein mit Maschine getipptes Manuskript. Durch das Einscannen der Buchseiten konnte dieses Problem recht einfach gelöst werden. Schwieriger gestalteten sich inhaltliche Korrekturen. Es gab gar nicht wenige Ausdrücke und Bezeichnungen, die in der Originalausgabe noch selbstverständlich verwendet wurden, heute aber zurecht als überholt, ja beleidigend, empfunden worden wären. Zudem wirkte mein damaliger Stil zuweilen doch ein wenig gekünstelt auf mich. So machte ich mich an die Arbeit, wobei mich nicht zuletzt die Aussicht antrieb, mittels Verwendung einer meiner Lieblingsfotografien ein wunderschönes Cover gestalten zu können. Nun, nach vierunddreißig Jahren, liegt Licht zwischen Schatten, komplett mit allen dreizehn Geschichten sowie dem Prolog und dem Epilog, in dieser völlig überarbeiteten Neufassung vor. Auf dem Cover findet sich das Foto "Young men under a reed roof" des deutschen Fotokünstlers Herbert List aus 1951, dessen Lichtflirren die Atmosphäre der Erzählungen zwischen Vorstellungswelt und Wirklichkeit perfekt spiegelt. Das Autorenservice Gorischek aus Gratkorn bei Graz hat damit wieder ein aufregend sinnliches Cover gestaltet. So hoffe ich, dass die Erzählungen in diesem Buch nicht nur für mich eine echte Wiederentdeckung darstellen.